Ich breche Wort.

 

Es pocht der Intellekt dieser Zeit: ihr Dummen, verstehet! Es schlägt das Gefühl dieser Zeit um sich: Angst. Und jeder Dialog verrennt sich und verläuft, wenn das Argument nur ein unintelligentes Gefühl, wenn das Argument nur ungefühlter Intellekt ist. Und doch stehst Du, wie ein Paradox, da: Du mächtigste Wortsingularität. Du Angst.

Wo sind Liebe und Trost und Trauer? Neben dir, Wort Angst? Angst, du geraubtes, missbrauchtes Gefühlswort, du popularisiertes und polarisierendes Zucken, das uns jenen in die Arme treiben soll, die sich selbst den Rücken nicht stärken können.

Oh Wort, wie du schaffst und schaffst und ungebrochen bist.

Ich breche dich.

Ich breche deine Kälte. Ich glätte dein Zucken.

Und dann schaffe ich neu. In Sehnsucht und Liebe und Trauer. Sie sind meine Motivation.

Ich durchbreche Dich.

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Ich war nicht sprachlos. Ich entleerte mich der Sprache. War ein leerer Sprachkörper in einer schreienden Welt. Sehnte mir Worte des Zaubers, Worte des Lichts herbei. Denn die Worte um mich herum, sie waren so dunkel. Erzählten von einer schon dagewesenen Zeit.

Wort, welche Macht hattest du, dass du glaubtest, Dich wiederholen zu dürfen?

Welche Macht hatten die, die dich sprachen? Wie machtlos war ich, dass ich sie ließ? Dass ich ihnen nichts entgegen rief?

Aber wie hätte ich sollen? Wenn doch ihre Sprache nicht die meine war.

Wort, wie hättest du mir inne sein können, wenn du mir ein Außen schafftest, das mein Herz nicht hallen ließ und meine Seele erstarren ließ? In Starre kann man nicht hören. In Starre kann man nicht sprechen. Die Vibrationen meines Seins. Verstummt.

Drum ließ ich dich gehen, Wort, und fand Neue: Worte, die mitfunkeln, mit Raum schaffen, mittanzen, mitumarmen, mittrösten, mitweinen, mitlieben. Mit mir. Meine Sprache spricht Tränen. Sie spricht Liebe. Sie spricht Trost.

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Ich sage: ich weine. Ich sage: ich liebe. Ich sage: ich tröste. Ich sage es einfach. Nicht zweifach. Keine Dopplung des Sinns. Den wahren und den vorgetäuschten. Keine Täuschung klebt dir an, du neue Sprache. Du bist Handlung und Mittel meines Seins.

Wort, Du sei mein Mittel. Bündel das Licht, verdeck es nicht. Forme mir eine Welt, in der mein Gegenüber wieder weiß, dass Du ihr und ihm Gutes und gut tust. In der mein Trost gehört wird, in der meine Liebe gehört wird, in der meine Sehnsucht gehört wird. Und Trost ist. Und Liebe ist. Und Sehnsucht ist. Weil Angst nicht länger regiert.

von Maria Milisavljevic
Quelle: schloss-post.com/breaking-word/