tools of force in the language of power

Susanna Fournier

1.

a language of confusion
is a language of infiltration

we recognize the words, sometimes even how they are arranged
but neither sense nor communication is the goal

a language of confusion
is a ›non-lethal‹ language

imperial power brands its own vocabularies in which to speak its
non-hate hate
more open discrimination
extreme vetting
all lives matter
alternative facts
alternative right

these words come to
confuse
disrupt
incite/sudden/rage/
distract
terrorize
scatter

create more words shot, cross-fired into public spaces –
(of the people, by the people, from/for/and against the people)

and in the chaos of these words imperial power
trespasses
seizes
destroys

 

2.

Some market researchers project the ›non-lethal‹ or ›less-lethal‹ weapons industry will have a global worth of over 8 billion USD by 2020.

Growth is driven by demand for these weapons in the hands of law enforcement. Manufacturers cite ›crowd dispersing‹ as a key feature of these weapons and would like to know if your government has problems with:

civic unrest
large public assemblies
demonstrations
RIOTS
Police brutality problems? Arm your police with ›safe‹ weapons.

 

3.

A weapon is a tool of force. It is a tool designed – or used – to inflict bodily harm/exert force in order to gain an advantage offensively or defensively in conflict.

Designed or usedis an important rhetorical distinction to consider.

Guns don’t kill people, people kill people. Pro-weapon lobbies argue if one’s intention is to harm, any object can be used as a weapon. This argument puts 100% of the onus on the user of the tool, intentionally obfuscating the fact that certain tools have been designed with the singular application of causing harm to living bodies. While user intention is important to consider, manufacturers of ›less lethal‹ weapons are creating a rhetoric of safety around these weapons; proposing the user can still act upon their intention to exert force, but the weapon will mitigate that force into a »safe« amount*.

(*if used properly)

 

4.

Tear gas is considered a form of chemical warfare. It was banned in war during the Chemical Weapons Convention in 1993. The majority of nations in the world signed off on this. However, tear gas is only illegal in ›war‹. It’s perfectly legal to use tear gas domestically, in crowd** control.

(**against protestors)

 

5.

Police brutality is still a very lethal problem. #BlackLivesMatter

 

6.

The Active Denial System is a »less-lethal« mounted ray gun currently on the market. It works like a microwave targeting the water molecules beneath your skin causing sudden, extreme heat. It burns you from the inside until you run away.

 

7.

Cultivating active denial is an important psychological aspect of the web power abusers construct around their victims and bystanders. Denial is a normal, knee-jerk mechanism the psyche often implements in response to the trauma of abuse, making it an advantageous tool abusers use to obscure the reality of their crimes. Families, societies, and those being abused often participate in active denial systems (unconsciously/consciously) because certain truths are too painful. Certain truths burn you from the inside.

 

8.

language is a tool

words don’t kill people, people kill people

with what intention do you use it?

linguistic tear gas

what about those words specifically designed to harm?

to choke you, blind you

those words specifically designed to

burn you, shock you, condemn you,

specifically designed to

gaslight you,

to harm.

 

werkzeuge der gewalt in der sprache der macht

1.

eine sprache der verwirrung
ist eine sprache der unterwanderung

wir erkennen die worte, manchmal sogar wie sie angeordnet sind
aber weder sinn noch kommunikation sind das ziel

eine sprache der verwirrung
ist eine ›nicht-tödliche‹ sprache

imperialistische macht schafft ihr eigenes vokabular mit dem es spricht

sozialverträglichen hass
offenere diskriminierung
extreme sicherheitsüberprüfungen
weichzeichnende geschichtsaufarbeitung
all lives matter
alternative fakten
alternative rechte

diese worte tauchen auf um zu
verwirren
stören
auszulösen/plötzliche/wut
abzulenken
terrorisieren
zerstreuen

schafft mehr worte, abgefeuert, kreuzgefeuert in den öffentlichen raum –
(vom volk, für das volk, vom/für/gegen das volk)

und im chaos dieser worte, imperialistische macht, die
überschreitet
übernimmt
zerstört

 

2.

Marktforscher sagen voraus, dass die ›nicht-tödliche‹ oder ›weniger-tödliche‹ Waffenindustrie bis zum Jahr 2020 einen weltweiten Umsatz von über 8 Milliarden US Dollar aufweisen wird.

Dieses Wachstum lässt sich auf die Nachfrage dieser Waffen von Seiten der Polizei zurückführen. Hersteller zitieren das ›Auflösen von Menschenansammlungen‹ als Haupteinsatzbereich dieser Waffen und fragen an, ob ihre Regierung Probleme hat mit:

bürgerunruhen
großen öffentlichen versammlungen
demonstrationen
AUFSTÄNDEN
Probleme mit polizeilicher Gewalt? Bewaffnen sie ihre Polizisten mit ›sicheren‹ Waffen.

 

3.

Eine Waffe ist ein Gewaltwerkzeug. Sie ist ein Werkzeug, das dafür konzipiert – oder gebraucht –wird körperlichen Schaden anzurichten/Gewalt auszuüben, um in einem Konflikt einen offensiven oder defensiven Vorteil zu gewinnen.

›Konzpiert oder gebraucht‹ ist eine wichtige rhetorische Unterscheidung, die es zu bedenken gilt.

nicht gewehre töten menschen, menschen töten menschen. Die Waffenlobby bringt vor, dass jeder Gegenstand zur Waffe wird, wenn die Absicht gegeben ist, jemandem damit Schaden zuzufügen. Dieses Argument sieht die Verantwortung zur Nutzung des Werkzeugs voll und ganz beim Nutzer. Es lässt außer vor, dass bestimmte Werkzeuge alleinig zu dem Zweck erschaffen wurden, Lebewesen Schaden zuzufügen. Eben weil die Absicht des Nutzers ein wichtiger Gesichtspunkt ist, kreieren die Hersteller ›weniger tödlicher‹ Waffen eine Rhetorik der Sicherheit: der Nutzer kann so seiner Absicht Gewalt auszuüben nachkommen, die Waffe selbst* wird diese Gewalt jedoch im ›sicheren‹ Bereich verorten.

(*wenn richtig verwendet)

 

4.

Tränengas wird als eine Form der chemischen Kriegsführung anerkannt. Es wurde im Rahmen der Chemiewaffenkonvention von 1993 verboten. Der Großteil aller Länder weltweit hat dieses Verbot unterzeichnet. Tränengas ist jedoch nur im Kriegseinsatz ›illegal‹. Es ist vollkommen legal, Tränengas für inländische Belange einzusetzen, zur Handhabung großer Menschenansammlungen**.

(**gegen Demonstranten)

5.

Polizeigwewalt ist immer noch ein sehr tödliches Problem #BlackLivesMatter

 

6.

Das ›Active Denial System‹ (übersetzt: Aktives Verdrängungssystem) ist ›weniger tödliche‹ Strahlenwaffe, die momentan auf dem Markt ist. Mikrowellen werden auf die Wassermoleküle direkt unter der Haut gerichtet und lösen so eine plötzliche, starke Hitze aus. Sie verbrennt einen von innen, bis man wegrennt.

 

7.

Das Kultivieren aktiver Verdrängung ist ein wichtiger psychologischer Aspekt des Machtnetzwerks, welches Täter um Missbrauchsopfer und Beobachter kreieren. Verdrängung an sich ist ein normaler, reflexartiger Mechanismus, welchen die menschliche Psyche einsetzt, um mit Misshandlungstraumata umzugehen. Somit ist es ein vorteilhaftes Werkzeug für Täter, um die Realität ihrer Taten zu verdecken. In vielen Fällen verschreiben sich Familien, ganze Teile unserer Gesellschaft, sowie die Missbrauchsopfer selbst, bewusst oder unbewusst, eben diesem aktiven Verdrängungssystem. Bestimmte Wahrheiten sind einfach zu schmerzhaft. Bestimmte Wahrheiten verbrennen einen von innen.

 

8.

sprache ist ein werkzeug

nicht worte töten menschen, menschen töten menschen.‹

mit welcher absicht nutzt du sie?

tränengassprache

was ist mit solchen worten, deren alleiniger zweck es ist zu verletzten?

dich zu würgen und zu blenden

solche worte, deren alleiniger zweck es ist

dich zu verbrennen, dich zu erschrecken, dich zu verdammen

deren alleiniger zweck es ist

dich in den wahnsinn zu treiben

zu verletzen.

 

Quelle: https://schloss-post.com/tools-force-language-power/